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Hagel, Schnee, Regen, Frost und doch wieder Sonnenschein (05.11. - 16.11.)
5.11. 2007 – von Istein nach Bad Bellingen , ca. 10 km
Die Pferde hatten sich über Nacht ihre Bäuche vollgestopft. Damit sie noch schön frühstücken konnten haben wir den Koppeldraht nach außen auf die angrenzende gemulchte Wiese versetzt. Django wiehert immer voller Vorfreude wenn wir den Zaun aufbauen oder versetzen. Er erinnert uns auch zu jeder abendlichen Futterstunde, dass wir ihn auf keinen Fall vergessen sollen. Das Wetter war schön an diesem Morgen. Als wir die Pferde anschirrten kam ein Reiter vorbei. Mit etwas Anstrengung konnte er sein Turnierpferd davon überzeugen, doch an uns vorbei zu laufen. Ich verteilte noch die Pferdehaufen und dann ging es los. Wir fuhren zirka 2 Stunden, da wurde es meinem Schatz plötzlich übel. Er verkroch sich nach hinten ins Bett. Ich übernahm das Steuer. Vielleicht lag die Überlkeit ja an der neuen Teesorte, die er sich letztens gekauft hatte. Supermärkte haben seine original englische Teemischung nicht im Angebot. Ich hielt die Leinen und plötzlich tauchte fast aus dem Nichts ein Berg vor uns auf. Alles flach und dann das! Von weiten konnte man den Anstieg nicht wirklich einschätzen. Die Pferde gingen von allein in Trab. Django bekam doch rasch Panik und fiel in Galopp. Ich hatte Mühe ihn zu bremsen und die Pferde auf der Spur zu halten. Wenn es schwer wird laufen die Pferde ungerne schur gerade den Berg hinauf. Rheinweiler, so hieß der Ort mit dem Überraschungshügel. Während der Aktion schaute Jon mal nach dem Rechten, ob wir das alles so hinkriegen würden. Geschafft, oben angekommen, sah ich eine Frau im Garten und bremste unser Gespann. Wir brauchten unbedingt Trinkwasser. Ich folgte der zierlichen kleinen Frau mit einer unserer Milchkannen. Es ging in den Hinterhof. Hinter dem Torgatter wachten zwei schöne Dobermänner-Damen. Sehr beeindruckend! Ich wartete hier bis das Frauchen mit unserer Milchkanne voll Wasser wieder kam. Wenn einem Engländer es nicht gut geht, geht's ihm erst recht schlecht, wenn es keinen Tee mehr gibt. Göttin sei Dank, jetzt konnte er wieder Teewasser aufsetzen. Wir fuhren und fuhren und immer noch war kein Fluss in der Nähe. Zum Rhein hin sperrte uns die Autobahn den Weg. Wenig später entdeckten wir einen Weg der die Autobahn unterquerte. Jon nahm den Zollstock und maß die Durchfahrtshöhe. Knapp aber machbar, erwiderte er. Bevor es zur Brücke ging, lenkte ich unser Gefährt auf einen schmalen Weg hinunter. Ich durfte nicht zu schnell sein, nicht dass wir doch eine Schramme abbekommen. Schön langsam ging es vorran. Jon schaute ständig über das Dach, ob alles passt! Juchuu wir sind auf der anderen Seite der Autobahn. Am Wegesrand war ein Schild, worauf stand Motorverkehr und Reiten verboten, frei für Fußgänger und Radfarer auf eigene Gefahr. Von Fuhrwerken war keine Rede. Weiter ging's. Erstaunlicher Weise waren viele ältere Leute unterwegs, obwohl die Autobahn hinter den Gebüschen noch gut zu hören war. Kein schöner Ort, um Erholung zu suchen. Naja, die hatten wahrscheinich ihre Hörgeräte abgeschalten. Wir parkten direkt auf einem angrenzende Grünstreifen neben dem Deichweg. Wir zogen die Koppel ganz lang, da der Streifen nur etwa 3 m breit war. Außerdem trennten wir die beiden, denn der Untergrund sollte heil bleiben.
6.11. 2007 – von Bad Bellingen nach Müllheim, ca. 15 km
Wir mußten wieder runter vom Deich, denn wer weiß, ob wir nicht doch früher oder später eine unüberwindbare Barriere vor uns haben werden. Und wieder, diesmal aber zwei niedrige Brücken unter denen wir hindurch mußten, um die Autobahn zu queren. Jon maß wie üblich und wie üblich der selbe Satz. Schön langsam tasteten wir uns drunter durch. Puh, das wäre auch geschafft. Jetzt ging es wieder lässig und froh munter vorwärts bis zwei Poller unseren Straßenweg sperrten. Jon kramte in seinen vielen Werkzeugkisten, sprang mehrmals hoch und runter vom Wagen. Ein Typ wurde auf uns aufmerksam. Sogleich fragte ich ihn nach Trinkwasser. 20 Liter reichen nämlich nur für zwei Tage. Alles kein Problem. Jon schaffte es wie von Zauberhand die magischen Poller zu öffnen. Ich lenkte das Gespann hindurch. Anschließend füllte Jon bei Udo unsere Trinkwasserbehälter auf. Es dauerte eine Weile bis beide zurück waren. Udo ist ein Westernfan und wohnte auch mal für drei Jahre in England. Er zeigte Jon stolz seine Westernkammer. Jon erzählte mir, dass Udo mal einen sechs-wöchigen Wanderritt durch den bayrischen Wald machte und dass er sich einen Schäferhundwelpen aus dem Tierheim holte. Beim Tierarzt erkundigte er sich dann, warum dieser so riesig sei. Daraufhin erwiderte der Tierarzt sein Hund wäre ein reinrassiger Wolf.
In Müllheim besorgten wir beim
Raiffeisen Pferdefutter. 25kg Hafer kosten sage und schreibe 12€.
Sonst bezahlen wir zwischen 6-8€. Nicht einmal Quetschhafer hatten
die im Sortiment. Auf einem Sack stand Haferfutterflocken drauf, den
hätten wir für unverschämte 18€ (25kg) kaufen
können. Da sind ja die Aldi Haferflocken für Menschen
billiger (ohne Scheiß)!!! Wenigstens war qualitativ nichts an
dem Produkt auszusetzen, wobei wir den ganzen Sommer über nur
sehr schlechten Quetsch-/Hafer bei Raiffeisen bekommen hatten
(Beimischung von Weizen und viel Staub – z.T. nicht zu verfüttern).
Unterwegs zum Raiffeisenmarkt sahen wir
viele Möglichkeiten potenzieller Parkplätze leider jedoch
ohne Wasser. Vom Betrügerverein nahmen wir ca. 100 L
Pferdewasser mit und parkten auf einer Brachwiese nahe einer
380-kV-Leitung. Am selben Abend sammelten wir noch liegengebliebene
Reste vom angrenzenden Maisfeld.
7.11. 2007 – von Müllheim nach Müllheim Gewerbepark Kellereibedarf Zimber, ca. 2 km
Als am nächsten Morgen Jon den
weißen Stromdraht einrollen wollte, hat er einen Schlag
gekriegt. Eigentlich nicht selten, aber trotzdem zum ersten Mal, denn
das Stromgerät war schon im Wagen. Also ohne jegliche
Stromquelle bekam er einen Schlag. Er rief mich rüber, damit ich
es selbst dieses Phänomen erleben sollte. Und tatsächlich
schrie ich auf, als ich eine gewischt bekam. Doch wie kann das sein?
Wir schauten zur 380-kV-Leitung, denn nur diese kann Grund für
Strom ohne Strom sein. Aber erklären können wir uns das
trotzdem nicht!
Winston brauchte dringend wieder
mehrere Stollen. Wir fuhren durch ein Gewerbegebiet in der Hoffnung
eine Werkstatt mit Hausstrom zu finden. Beim Kellerreibedarf Zimber
fragte ich den Werkstattmeister. Kein Problem. Wenig später und
noch mitten beim Schweißen begrüßte uns der Chef
höchst persönlich in Schlipps und Kragen. Wie üblich
erzählten wir unsere Story und dass wir für heute noch eine
Wiese finden mußten. Er zeigte auf seine große Wiese
direkt hinter den Gebäuden und bot uns an dort zu übernachten.
Wasser bekamen wir vom angrenzenden Gebäude. Es war sehr
nasskalt an diesem Tag und wir waren froh nicht weiter fahren zu
müssen. Gern nahmen wir sein Angebot an. Wir bekamen sogar noch
Holz, eine Tasse Kaffe und eine warme Dusche.
8.11. 2007 – von Müllheim Gewerbepark Kellereibedarf Zimber nach Müllheim Bahnhof, 500 m
Der Parkplatz grenzte auch an die
Gewerbestraße, auf der sehr oft schwere Lastwagen vorbei
fuhren. Django fand das nicht sehr lustig und galoppierte umher. Wir
trennten die beiden, schließlich war das ein anstrengender
Stromtag und wir wollten keinen Stress. Django hat keinen Bock
alleine umher zu galloppieren. Ohne Django hat Winston eh nur Fressen
im Kopf.
Am nächsten Morgen war die Wiese
alle. Wir hatten sowieso vor umzuparken und fuhren etwa 500 m weiter
auf eine riesige Wiesenfläche mit Obstbäumen vor einer
Kompostanlage. Wasser und Bahnhof waren nicht weit. Wenn keiner
meckert, hatten wir vor bis über's Wochenende hier zu bleiben.
12.11. 2007 – von Müllheim Bahnhof nach Eschbach Flugplatz, ca. 8 km
Jon fuhr mit dem Zug Freitag und
Samstag in die Stadt Freiburg/B. Leider war durch das schlechte
Wetter kaum etwas zu verdienen.
Am Montag packten wir unsere “Sieben
Sachen” um weiter Richtung Freiburg zu fahren. Es ging der
Bahngleise folgend entlang eines Feldweges. Später wurde der Weg
etwas eng und Gehölze kratzten an unserem Wagen. Das nasskalte
Wetter machte das Fahren ungemütlich. Wir kamen an einem
einzelnen Bauerngehöft vorbei. Wir starten zum Hof auf der Suche
nach kleinen Heuballen. Schon längere Zeit waren wir ohne
Notheuballen unterwegs – kein gutes Gefühl. Als wir welche
erspähten sprang ich ab. Auf dem Hof begegnete ich einem jungen
Mann, der versuchte seinen großen Hund zu bändigen. Er
winkte mich zu ihm herran. Sein Gesicht war freundlich. Wir bekamen
drei kleine Ballen zum guten Preis. Super, das hat geklappt. Während
ich das Gespann fuhr nahm Jon das Rad, um nach Parkplätzen
Ausschau zu halten. Erfreulicher Weise gab es einige Möglichkeiten
auf einem breiten Grünstreifen am Gewerbegebiet zu parken.
Zwischen Straße und Parkplatz verlief ein kleiner Fluss. Die
Fläche war nicht groß, würde aber für eine Nacht
ausreichen. Wir zäunten den Straßenzipfel mit ein, so
konnten die Pferde den Grünstreifen beidseitig abfressen. Es gab
kein Durchfahrtsverkehr, denn der Weg endete hier. Jon meinte solche
Parkplätze liebt er, denn niemand könnte sich hier aufregen!
Am selben Abend sammelten wir erneut Mais.
13.11. 2007 – von Eschbach Flugplatz nach Bad Krozingen , ca. 5 km
Die Nächte erreichen jetzt
Frosttemperaturen. Um nicht ganz auszukühlen schmeißen
wir, bevor wir zu Bett gehen, Briketts in den Ofen. Die glühen
sogar immer noch, wenn man frühs dann den Ofen wieder anmachen
will. Ohne Ofen würde zu dieser Jahreszeit gar nichts gehen!
Das Wetter war an diesem Tag sehr
schön. Auf Nebenwegen fuhren wir gemütlich weiter. Wir
orientierten uns nach den Gleisen, die direkt nach Freiburg führen
- vielleicht ergeben sich hier Parkmöglichkeiten. Von der Straße
aus sahen wir direkt an der Gleise einen Weg. Unterwegs dort hin
wechselte der Untegrund zum Wiesenweg. Die Pferde mußten
ordentlich ziehen. Am Ende des Wiesenweges gab es einen kurzen
Anstieg von ca. 25 Prozent, um auf den neuen Weg zu kommen. Das war
wie eine richtige Kreuzung. Wir konnten also nicht geradeaus fahren,
sondern mußten die Pferde auf dem kurzen, steilem Stück am
Ende des Anstieges scharf nach links lenken, um nicht in den Gehölzen
zu landen. Aber auch nicht zu zeitig nach links, sonst würde der
Wagen umkippen. Die Pferde fielen in Galopp. Es war schwierig zu
lenken, denn alles ging plötzlich so schnell. Ich zog nach
links. Die Pferde kamen zu weit links und wir mußten stoppen,
um nicht umzukippen. Jon packte schnell einen Klotz hinter ein Rad.
Das die Pferde auf dem steilen Stück wieder anziehen schien für
uns fast unmöglich. Ich kletterte mit hinunter und kümmerte
mich um den Klotz. Jon führte die Pferde an. Kraft ihrer Muskeln
schafften sie es tatsächlich den Wagen aus der Misere
herauszuziehen. Puh, erst einmal pinkeln vor Aufregung. Dieser Weg
setzte sich etwas hügelig fort, doch die Pferde schafften das
ohne Probleme. Ein bisschen Training zwischendurch für die
Muskeln kann nicht schaden. Von Bad Krozingen Richtung Bingen machten
wir an einer Gärtnerei halt, denn weit und breit war kein Fuss
in Sicht und wir brauchten Pferdewasser. Die Empfangsdame war sehr
erfreut, als wir unser buntes Fuhrwerk vor der Tür parkten. Die
Mitarbeiter waren sehr hilfsbereit und gaben uns neben Wasser noch
ein Tässchen Kaffee. Jon nahm anschließend das Rad, um
nach einer Parkmöglichkeit zu suchen. Ich blieb derweil am Wagen
und stopfte meinen hungrigen Magen mit Kürbissuppe voll. Einige
Speisekürbisse bleiben ungeerntet auf den Feldern zurück.
Eine köstliche Saisonmahlzeit. Wir fanden einen Parkplatz hinter
einem Wohngebiet auf einer riesigen Brachfläche. Hier wuchs viel
Schrott. Dazwischen gab es jedoch immer wieder Stellen, von denen
unsere Pferde gut zupfen konnten. Wir konnten sogar noch einen
weiteren Tag hier parken, denn das Wasser reichte länger als
erwartet. Es war sehr nasskalt, sodass die Pferde durch das feuchte
Klima kaum zu trinken brauchten.
15.11. 2007 – von Bad Krozingen nach Offnadingen, ca. 2 km
Es schneite kräftig an dem Morgen. Django hat sein Tarnkleid angezogen. Wir mußten nun weg, ob wir wollten oder nicht. Es gab kein Wasser in der Nähe. Wir fuhren zur Tankstelle, tankten Sprit und Trinkwasser, dann fuhren wir rüber zum Baumarkt und tankten Gas und Briketts. Voll getankt ging es dann weiter, auf der Suche nach dem nächst besten Parkplatz. Der ergab sich dann zwei Kilometer weiter in Offnadingen. Der Schnee peitschte uns alles Getrapplern ins Gesicht und wir wollten am liebsten keinen Meter mehr weiter fahren. Hinter ein paar Häusern erspähte Jon eine Brachwiese. Er wartete hier, während ich mich bei den Nachbarn nach dem Eigentümer erkundigte. Dieser willigte ein und ich rannte glücklich zurück. Das Gras wurde dieses Jahr nicht geschnitten. Aufgrund des feuchten Wetters konnte der Bauer kein Heu machen. Gut für unsere Hottes denn die freuen sich umso mehr, weil die Wiese mehr Wiese ist als die Schrott-Brachwiese in Bad Krozingen. Winterzeit ist Kerzenzeit. So brennen gerade fünf Stück, während ich die letzte Zeile für heute schreibe.
