17.09. - 05.10. - von Bulzingen nach Kirchen-Hausen

Erster Teil – „Bulzingen kunterbunt oder außer Rand und Band“ (21.08. - 17.09.)

Kaum in Bulzingen angekommen, lief uns schon ein Mädel hinterm Wagen hinterher. Ihre langen blonden Haare fielen wüst über ihre Schultern. Angeblich lag sie schon im Bett als wir kamen, aber diese Attraktion konnte sie wohl nicht verpassen. Die neugierige Fabienne, Fynn und Kiara verstanden sich auf Anhieb und waren sogleich verschwunden. Nachdem wir endlich die Pferde versorgt hatten folgten wir der Einladung zum Abendessen bei den neuen Nachbarn. Fabienne verschwand nochmal kurz um sich umzuziehen, Als sie wieder kam schauten wir ein wenig verwundert. Neben ihren fetzigen Tokio-Hotel Sachen trug nun noch eine Sonnenbrille. Mittlerweile war es stockfinster, sie setzte ihre Sonnenbrille jedoch als Haarreifen elegant in Szene. Schon 11-Jährige wollen halt modisch mitgehen.
Zwei Tage später wurde Kiara wieder abgeholt. Für sie ging es jetzt noch eine Woche nach Frankreich. Schon am nächsten morgen machten wir mit Fabienn's Geschwistern Bekanntschaft. Der Dario ist ein Jahr jünger als Fynn, genauso schlank wie er mit ebenso blondem kurzem Haar. Der Jüngste ist noch bei Mutti Angelika auf dem Arm. Dann lernten wir noch René kennen. Mit dem Fahrrad kam er aus Rietheim öfter nach Bulzingen. Sein Vater hat hier eine kleine Holzfirma. Kinder bekommen leicht Wind davon, wenn endlich mal in ihrem Nest was los ist, insbesondere wenn so ein kunterbunter Wagen daher rollt, der von zwei riesigen Pferden gezogen wird. Silvi ist die Freundin von Fabienne. Meisten kamen beide zusammen, um die Pferde zu striegeln und zu reiten. Das Reiten mussten sich die Mädels zum Teil erarbeiten. Nachdem wir die Geschirre eingefettet hatten ging es los. Sylvi ritt anfangs auf Winston und Fabienn saß hinter mir auf dem Rücken von Django. Nach der Hälfte wurde getauscht und Winston lief keinen einzigen Schritt mehr. Das Gras unter ihm war zu verlockend. Es dauerte eine Weile bis er endlich weiter schlürfte. Nach 100m wieder Stopp – Kopf runter und fressen. Fabienne schaffte es nicht den Riesenschädel hochzuziehen. So setzte sich das bis zum Ende der Tour fort und aus geplanten 2- wurden 4 Stunden. Kopf hoch, denn Übung macht den Meister!
Das mit dem Reiten hatte sich wie der Blitz herum gesprochen. Selbst auch aus den Nachbarorten kamen dann Freunde von Freunden der Kinder. Wir hatten immer ein Gewusel um uns herum.

Inzwischen war die von Heidi für uns organisierte Wiese aufgegessen. Wir zogen auf die Wiese von Isolde, eine Über- über- nachbarin um's Eck von Heidi. An den Wochenenden war Jon abwechselnd in Singen und Villingen spielen.

Fynn wurde Ende August von seiner Mutter wieder abgeholt. Er hatte dann noch eine Woche Ferien. Ich fuhr am Sonntag darauf mit Nina nach Herzberg/E, um meinen geplanten Wanderritt vorzubereiten, der in einer Woche beginnen sollte. Von nun an war mein Schatzi alleine – oder auch nicht, denn er hatte ja immer noch einen Haufen Kinder um sich herum, mit denen er noch öfter ausgeritten ist und die seinen Tagesablauf bestimmten (damit meine ich u. a. das gezwungener Maßen sehr frühe Aufstehen, weil die Kid's unplanmäßig zeitig hartnäckig und lautstark vor der Wagentür standen, ohne dass er seinen Tee in gewöhnlich englischer Ruhe austrinken konnte).

Zweiter Teil - „Schön wieder unterwegs zu sein“ (17.09. - 05.10.)

17.09. von Bulzingen nach Möhringen – ca. 11 km

Als die Pferde endlich wieder angespannt waren saßen Fabienne, René und Dario mit auf dem Kutschbock. Fabienne würde sofort mit uns mitreisen. Nach der Mittagspause in Tuttlingen ging es weiter nach Möhringen. Auf großem Bauland fand Jon hier einen geeigneten Parkplatz an der Donau. Die Kid's halfen fleißig beim Zaunaufbau und wurden später von ihren Eltern wieder abgeholt. Es war ein sehr emotionaler Abschied für alle.

18.09. von Möhringen nach Kirchenhausen – ca. 10 km

Der Tag begann mit schrecklichem Regen. Jon musste trotzdem weiter, da das Gras knapp geworden ist und er unbedingt Hafer brauchte. Wie gewöhnlich packte er seine „Sieben Sachen“ zusammen und Göttin sei Dank konnte er im Trockenen losfahren. Es ging durch Immendingen nach Hintschingen (...dingen, ...schingen, ...ringen, ...zingen, ...lingen - die Schwaben haben ein Örtchenendung-Tick). Naja, jedenfalls in Hintschingen ließ Jon die Pferde stehen und nahm den Drahtesel, um beim Raiffeisen im Über-über Dörfchen rechtzeitig Hafer zu kaufen. Fast stand er vor verschlossenen Türen, doch er verabredete mit einem Mitarbeiter das Rausstellen der Säcke, denn er würde später mit dem Pferdewagen die Ware abholen. „Gesagt – nicht getan“, er fuhr dann mit dem Gespann auf den Hof, nur waren leider keine zwei Sack Hafer zu finden. So fuhr er etwas verärgert weiter nach Kirchen-Hausen, wo er zuvor mit dem Rad schon einen Parkplatz erspähte. Kurz bevor er diesen erreichte begegnete ihm Andrea, die das nicht überhörbare Getrappel näher untersuchen wollte. Selbst Pferdebesitzerin, bot sie ihm sogleich einen Parkplatz an. Unter Pferdeleuten geht das halt ruckizucki, denn die Neugier auf dieses verrückte Gespann würde Mann oder Frau schon ganz gern näher kennen lernen wollen. Außerdem hilft man sich gern gegenseitig. So bekam er eine riesige Koppel für die Kalten, wo der Wagen direkt daneben abgestellt wurde. Sofort am nächsten morgen fuhr Jon mit dem Rad zum Raiffeisen. Die Frau wusste von nichts, aber schließlich bekamen die Pferde ihren Hafer, der zudem leider sehr in seiner Qualität zu wünschen übrig ließ (grau mit viel Spelzenanteil und untergemixtem Weizen).

20.09. von Kirchenhausen nach Donaueschingen – ca. 12 km

Dort, wo die Donau beginnt, fand Jon hinter einer Aldifabrik einen geeigneten Parkplatz. Der lag so versteckt hinter Gehölzen, dass das bunte Gefährt unsichtbar war. Am frühen morgen fuhr der Farmer mit dem Traktor vor, um das Gras zu schneiden. Dabei blieb soviel liegen, dass die Pferde immer noch gut frühstücken konnten.

21.09. von Donaueschingen nach Brigachtal/Klengen – ca. 10 km

Unterwegs ging es bei schönen Wetter ein Bergle hinauf. Jon sprang vom Wagen, um wie immer hinter Winston auf der Straßeninnenseite dicht neben dem Wagen zu laufen. Als er bemerkte, dass ihm der Klotz fehlte gelang er beim Versuch den Klotz mit der Hand von der Veranda zu erreichen mit dem rechten Fuß unter das linke Vorderrad, welches dann auch noch über sein Bein rollte. Glücklicherweise hielten die Pferde an und der Zurückrollstopp-Klotz bremste den Wagen vorm Rückwärtsrunterrollen. Jon hatte sich nicht die Spur verletzt. Als der Berg geschafft war, wurde erstmal ne' Pause eingelegt. Vom Schreck erholt ging es dann weiter Richtung Klengen. Er ließ die Pferde in Beckhofen zurück, um mit dem Rad Ausschau nach Parkplätzen zu halten. Gleich vier Möglichkeiten kamen in Frage, wovon der Schützenplatz ausgewählt wurde. Die Brigach war nicht weit, um die Pferde zu tränken und das Gras stand gut. Am nächsten morgen kam ein Typ vom Gemeinderat. Natürlich wollte er wissen, wie lange Jon wohl vor hatte dort zu parken. Er machte kein Problem daraus und war zudem auch sehr freundlich. Danach fuhr Jon nach Villingen Geld verdienen.
Sonntag kam der Farmer mit dem Traktor, um Gras zu schneiden. Er war sehr nett, denn er ließ extra für unsere Pferde welches stehen. An diesem Tag besuchte ihn die Familie Martin aus Rietheim (Bulzingen). Später kam auch Andrea noch einmal vorbei. Mit dem Auto fuhren beide nach Sommertzhausen, da Andrea dort jemanden kannte, wo Jon eventuell parken könnte. Die Nachbarn hatten eine Schwarzwälder Kaltblut-Zucht. Nachdem sich Jon vorstellte, schlug der Eheman eine Fläche am Wald vor. Jon hatte vor das Wochenende dort zu parken. Sonntag würde ich mit dem Zug dort ankommen. Bis dahin war jedoch noch etwas Zeit, sodass Jon mit den Pferde zunächst umhertingeln musste.

24.06. von Klengen nach Rietheim/Villingen – ca. 3 km

Auf der eingekoppelten Fläche wurde das Gras mager. Nach dem Wochenende zog Jon mit dem Wagen ca. drei Kilometer weiter. Diesen Platz hatte er noch in Erinnerung als er vor einige Tagen mit dem Rad Ausschau hielt. Es war ein sehr belebtes Fleckchen. Viele „Gassiläufer“ nutzten das Gelände für den täglichen Auslauf ihrer Vierbeiner. Kein Wunder, denn das „Hofbächle“ war ein reizvoller Landschaftsteil. Kinder von Rietheim nahmen neugierig Kontakt auf.

26.06. von Rietheim bis kurz hinter Villlingen – ca. 3 km

Nach zwei Nächten wurde auch hier das Gras knapp. Weiter ging es dann nach Villingen mitsamt den Kindern, die sich vom kunterbunten Gefährt faszinieren ließen. Sichtlich erfreut über den kurzen Trip verließen sie dann in Villingen das Pferdetaxi. Es begann schrecklich zu regnen. Hinter einer alten Fabrik wurden die Pferde auf die Koppel gebracht. Am nächsten morgen war alles matschig.

27.06. von Villingen nach Sommershausen – ca. 10 km

Bei schönem Wetter ging es dann am Donnerstag zum abgesprochenem Quartier nach Sommershausen. Am Tag darauf machte das Wetter Jon einen Strich durch die Rechnung. Es regnete erneut furchtbar, das Spielen in der Stadt hatte sich erledigt. Der nächste Tag war sonnig – also ab in die Stadt und Geld verdienen. Denkste Puppe, hier gab's schon was und zwar Stadtfest. Die Leute haben zu viel zu gucken, keine Chance für Jon & Billy - ein Samstag weniger im Monat.
Am Sonntag wurde Jon wieder von Familie Martin aus Rietheim/Bulzingen besucht. Sie brachten ein neues Blinkersystem und Suppe vorbei. Kurz darauf kam auch Lutz mit seinem Sohn Lars zu Besuch. Ihn lernte er einige Tage vorher kennen. Spontan wurde er zum Essen eingeladen. Es gab furchtbar leckere Rouladen, die von seiner Frau Heidi hervorragend zubereitet wurden. Mit dicken Bäuchen holten mich die beiden vom Bahnhof ab. Juchuu, wir sind wieder vollzählig. Endlich konnte ich meinen Schatz wieder in den Armen halten. Nina wuselte aufgeregt um uns herum.
Was tut eine Frau, die nach vier Wochen wieder zu Hause ist??? Natürlich aufräumen!!! Den ganzen nächsten Tag habe ich damit zugebracht, während mein Schatz das verbesserte Blinkersystem einrichtete. Ich begrüßte die Pferde im Hellen und bemerkte, dass Winston stark lahmte. Vermutlich tobten beide sehr stark und Winston kassierte eine von seinem Lieblingswallach. Andrea aus Kirchenhausen brachte uns an diesem Tag noch einen Essensbeutel vorbei. Wir plauderten ein wenig. Erst wenn es Winston wieder gut geht wollten wir weiter. Am nächsten Tag lief er schon wieder besser. Gegend abend fuhr die Familie Deutschbein (Heidi, die so lecker kochen kann mit Mann Lutz und Sohn Lars) mit dem Hänger vor. Sie brachten eine komplette Draußensitzgarnitur mit und wir machten es uns unter den Fichten gemütlich. Es gab Hering mit Pellkartoffeln zum Abendbrot. Wir verabredeten einen Parkplatz direkt auf einer Wiese gegenüber ihrem Haus in Überauchen. Falls Winston keine Probleme mehr hat, wollten wir am dritten Oktober Sommershausen verlassen.

03.10. von Sommershausen nach Überauchen, ca. 14 km

So war es dann auch. Winston lief wie ein vierjähriger Ardennerhengst und wir spannten an.
Am Abend zuvor kam noch der Schwarzwälder Züchter vorbei und brachte uns einen Heuballen sowie eine Mixtur aus Schmalz und Honig gegen Winston's Mauke. Er hatte auch mal Ardenner und alles mögliche ausprobiert. Ab mit den schönen Federn und drauf das Zeug. Mal schauen was wird.
Bei schönstem Wetter und mit einem geilen Blinksystem (der Coca-Cola-Truck ist trotzdem noch etwas geiler) fuhren wir los. Sieben Kilometer später war plötzlich unser Haustelefon verschwunden. Was für ein Schlammbassel. Während Jon sich mit dem Rad davon machte, um es zu suchen, parkte ich unser Fuhrwerk auf einem verlassenem Aldiparkplatz in Villingen und drückte feste die Daumen er möge es finden. 'Ne Stunde später kam er völlig erschöpft aber erfolgreich zurück. Göttin sei Dank!!! Derweil sprangen Lutz und Lars mit auf den Wagen und wir setzten unsere Fahrt zu vier Personen fort. Sie zeigten uns den Weg zur abgesprochenen Wiese. Es war fast dunkel als wir endlich unseren Parkplatz erreichten. Fix hatten wir die Koppel aufgebaut und die Pferde versorgt. Schließlich sollte ja die leckere Lassagne von Heidi nicht kalt werden. Schwer gesättigt haben wir dann noch mit übervollen Bäuchen die Stollen auf die Eisen der Pferde geschweißt. Jon fiel tot ins Bett und ich auf ihn drauf.

04.10. von Überhauchen nach Donaueschingen – ca. 14 km

Winston ging es gut und wir zogen, mit der Sonne im Rücken, den Radweg an der Donau entlang. Nina hatte ordentlich zu tun, die Mäusepopulationen der Donauwiesen auszuspionieren. Im Naherholungszentrum von Donaueschingen fanden wir einen offiziellen Parkplatz mit Futteranschluss -  genial für ein Päuschen. Beim Ausspannen bemerkte ich, dass Winston erneut lahmte. Aus dem Päuschen wurde eine Übernachtung. Ausgerechnet hier, wo so viele Leute Erholung suchten. Es war die Hölle los. Kindergruppen, Kinderwagen, Nordic-Walker, Tennisspieler, Fußballer, LKW und Traktoren. Zum Glück beruhigte sich das Treiben gegen 21:00 Uhr. Trotzdem schliefen wir unruhig – wer parkt schon gerne an einem solchen Ort?! Hoffnungvoll schauten wir uns im Morgengrauen unser Sorgenkind an. Und da schau her, Django stachelte ihn zum Toben an und alles schien wieder ok! Na wenn der toben kann, kann er auch ziehen. Als wir gegen 15:00 Uhr starten wollten besuchte uns ein Reiter auf einem gescheckten Pferd. Er kannte Jon aus der Zeitung.

05.10. von Donaueschingen nach Kirchen-Hausen - ca. 16 km

Mit Andrea hatten wir schon geschwätzt, dass wir bei ihr wieder erneut parken wollten. Alles kein Problem. Gesagt getan, wir fuhren Nonstopp und landeten nach guten vier Stunden Fahrzeit auf dem verabredeten Koppelplatz. Am Samstag spielte Jon in Konstanz zum Glück diesmal ohne Zwichenfälle. Familie Deutschbein besuchte uns zum Kaffeé am Sonntag. Jon fuhr mit Lutz außerdem noch unsere Strecke ab.
Am Montag untersuchte der Tierarzt Winston und entdeckte dabei einen Abszess im Huf. Zum Glück nichts Ernstes. Er bekam noch 'ne Spritze und ein entzündungshemmndes Pülverchen, welches wir über mehrere Tage verfüttern sollten. Django wurde derweil noch geimpft. Drei Tage später kam er nochmal vorbei und kassierte dann sage und schreibe unglaublich unverschämte 280€. Wir trauen von nun an keinem Tierarzt mehr über den Weg. Aus Erfahrung wird man ja bekanntlich klug.
Inzwischen spielte Jon auch noch für den Kindergarten indem Andrea arbeitete. Die fanden es toll. Naja, jedenfalls für drei Lieder. Die Show ist halt für die Straße gemacht. Nun haben wir hier Zwangsaufenhalt bis Winston wieder ein Eisen tragen darf. Laufen kann er inzwischen wieder prima. So verschiebt sich wohl unser Ankommen in Freiburg auf Mitte November.




It's  autumn now!

Schöner Herbst

Bessere Tage gibt es noch immer:
Briefe kommen, man bleibt doch verbunden.
Abende gibt es mit Sonnenstunden.
Bücher von Freunden im friedlichen Zimmer.

Richtig verschnitten hab ich die Rosen.
Ende September blühn sie noch mal.
Sacht am Kalender dreht sich die Zahl.
Herbst wird es ohne Toben und Tosen.

Wohl hatten wir schon Reif in der Frühe.
Frostschwarz hängen die Kürbisblätter.
Jetzt ist fast wieder Sommerwetter.
Nächtlich im Wiesental weiden die Kühe.

Gut ist auch das, ihrem Atem zu lauschen.
Wenn man spät noch einmal am Birkenweg steht
Und ein Stern im Eis der Ferne vergeht
Und die nahen Wasser frühlinglich rauschen.

von Eva Strittmatter
(Vielen Dank an Karsten Eggeling)
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