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Eines
morgens sind wir einer
Einladung zum Frühstück gefolgt. Die Familie wohnt im
Ort
und traf uns zufällig beim „Gassigehen“
mit dem Hund.
Spontan wurden wir zum Frühstück eingeladen.
Gesättigt,
geduscht und mit einer Maschine frischen Klamotten kehrten wir zum
Wagen zurück. Sonne und Wind schafften es innerhalb von zwei
Stunden unsere, zwischen zwei Bäumen aufgehängte,
Wäsche
zu trocknen. Die nette Familie kam später noch einmal mit
Leckerlies für Hund und Pferde vorbei. Der Jüngste
traute
sich sogar auf Winston ein Stück geführt zu reiten.
Der Gartennachbar brachte
ebenfalls Möhren für die Pferde und
Büchsenwurst für
uns vorbei.
Jon kam total geschafft vom
Spielen zurück, sein Hals schmerzte ihn. Er stürzte
sich
gleich aufs Bett. Hier half nur noch eins, eine schöne
heiße
Tasse englischer Tee. Bei den weiteren Fahrten mit Django zum
Wasserholen lief er dann beinahe wie ein Profi vor der kleinen
Kutsche.
06.05. - von Sandweier bis kurz vor Rastatt, ca. 3km
Schon nach dem Aufstehen bemerkte ich ein Kratzen im Hals. Vorsichtshalber lutschte ich eine Vitamin-C Tablette. Jon ging es nicht viel besser, dennoch packten wir unsere „sieben Sachen“ und spannten die Pferde an. Der Platz hier in Sandweier war super. Niemand fühlte sich durch uns gestört und die Pferde hatten gutes Gras in ihrem jeweils riesigen Paddock. Vor der Abreise besuchte uns noch einmal der mutige Junge von der netten Familie mit einem Kumpel im Schlepptau. Die beiden nahmen wir auf dem Kutschbock ein Stück mit. Ich fuhr mit den Jungs vor und Jon folgte mit dem Mädelegespann. Wir wußten schon, wo unsere nächster Parkplatz sein wird. Keine drei Kilometer entfernt erreichten wir unser Ziel. Unweit von Rastatt parkten wir neben einer jungen Aufforstung. Diese war durch Wilddraht umzäunt, ließ aber zum Weg noch einen beidseitig breiten Grünstreifen frei. Ein kleiner Minifluss verlief keine 50m entfernt. Das Ufer des Grabens wurde zur Zeit neu bepflanzt. Die gesamte Lichtung erschien mir wie eine Ausgleichsfläche zur neu gebauten, angrenzenden Bundesstraße mit Zuführung zur Autobahn.
Die
Mädels spannten wir
zuerst aus und banden sie an das Brückengeländer vom
Fluss.
Langsam brach die Dämmerung herein, als wir die Koppeln
aufbauten. Im hinteren Drittel entdeckte Jon Schachtelhalm. Verdammt,
hoffentlich ist es nicht die für Tiere gefährliche
Art. Mit
dem Bestimmungsbuch in der Hand betrachtete ich mir das Kraut aus der
Nähe. Und tatsächlich, leider bestätigte
sich unsere
Vermutung – Sumpfschachtelhalm. Wir verkürzten
daraufhin die
Koppeln, auf einen Abschnitt, der so gut wie kaum von dem Kraut
bewachsen war. Kurz vor der völligen Dunkelheit war alles
aufgebaut und die Pferde grasten zufrieden. Mir ging es nicht so gut.
Geschafft vom Tag setzte mir mein Hals noch zusätzlich zu. Jon
war schon auf dem Weg der Besserung, hustete aber immer noch
kräftig.
Am nächsten Tag klingelte das Telefon. Dodo und Alfredo
–
unsere Freunde aus Nauheim, waren gerade in der Nähe und
wollten
uns einen Besuch abstatten. Kurze Zeit später fanden sie uns
schließlich nach mehren Versuchen unserer Wegbeschreibung zu
folgen. Nach dem gemütlichen Kaffeekränzchen
verabschiedeten sich die beiden und setzten ihren Weg nach
Straßbourg
fort.
Wir fuhren weiter Richtung Haueneberstein. Das Wochenende stand vor der Tür und wir brauchten noch einen Parkplatz, von dem aus der Bahnhof nicht zu weit weg ist. Diesmal fuhr ich den Mädelewagen, denn Jon meinte die zwei wären sehr einfach zu fahren und zu „rangieren“, als die Jungs mit dem Haus hinten dran. So war es dann auch. Meine Mädels liefen fast cool durch die Bahnunterführung durch und warteten geduldig den Gegenverkehr ab, bevor wir auf die Nebenstraße einbiegen konnten. Vor unseren Augen eröffnete sich entlang der Bahngleise ein langstrecktes, ungenutztes Grünland. Groß genug um einen 16-Spänner durchzufüttern. Ideal, denn hier hätte bestimmt niemand etwas dagegen, wenn das Gras etwas gestutzt würde. Wir koppelten großflächig ein. Einen Fluss gab es leider nicht in der Nähe. Winston mußte noch einmal ran. Nach Karte fuhren wir noch etwa einen Kilometer weiter zum Bach vorbei an einer Reitanlage. Der Rest der Pferde blieb zurück und naschte schon vom satten Grün.
09.05. - 20.05. Aufenthalt auf dem Bahngelände in Haueneberstein
Wir
kämpften immer noch
mit unsere Erkältung. Gegen Mittag klingelte das Haustelefon.
Ein Interessent wollte die Mädels noch am Nachmittag besuchen.
Aufgeregt räumten wir unseren Wagen auf. Der Vater brachte
seine
Tochter mit. Zusammen schauten wir uns die Mädels auf der
Koppel
an. Dann sattelten wir die beiden, denn Angi wollte sie auch
Probereiten. Mit meinem kleinen Bäuchlein stieg ich zuerst auf
Quinette und Angi ritt Oceanne – unterwegs wurde dann
getauscht.
Zufrieden kehrten wir zum Wagen zurück. Die Entscheidung stand
fest, Vater und Tochter wollten die Mädels kaufen. Wir freuten
uns riesig. Eine Woche jedoch sollte sich die Abholung noch
verzögern, da der Vater Urlaub hatte. Ich hielt mit seiner
Tochter weiter Telefonkontakt. Wir entschieden uns dazu die
Mädels weiter barfuss zu lassen. Anspannen wollten die
zukünftigen Besitzer nicht, sodaß auch kein Beschlag
notwendig erschien. Wenn es geht dann lieber
barfüßig,
besonders bei jungen Pferden, wo der Huf noch im Wachstum ist.
Am Wochenende besuchte uns
Lutz und sein Sohn Lars, die wir im Brigachtal kennengelernt hatten.
Seit dem sind die beiden riesige Fans von uns. Wir vergnügten
uns an dem sonnigen Tag mit einem Kutsch-und Reitausflug. Lars und
ich wir fuhren die Mädels vor der kleinen Kutsche und die
Männer
ritten die Jungs. Bei der Gelegenheit nahmen wir gleich Wasser vom
entfernten Fluss mit. Anschließend
überraschte uns Lutz noch mit einem Grillabend.
Bevor wir aufbrachen wurden auf der Reitanlage Winstons Eisen noch mit Stollen versorgt. Anschließend ging es gegen 17:00 Uhr endlich wieder los. Eine Stunde später fing es wie aus Gieskannen an zu regnen - „schöne Bescherung“. Mein Schatzi hat ja ein wenig Dachüberstand zum Schutz. Mein Wagen dagegen ist Wind und Wetter voll ausgesetzt. Bei Muggensturm, hinter der Autobahn fanden wir eine im hohen Bewuchs stehende Wiese mit vereinzelten Gehölzen. Ein Bach begrenzte die Wiese zum benachbarten Feld. Super idealer Platz, wenn die Autobahn nicht direkt nebenan wäre. Bis auf die Unterwäsche war ich durchnässt – Schatzi bis auf die Strümpfe. Ruckizucki waren die nassen Klamotten ausgezogen und gegen regendichte Anziehsachen getauscht. Der Witterung entsprechend gut gekleidet konnte ich Schatzi nun beim Aufbauen auf der kniehoch, nassen Wiese helfen. Beim Grasen war selbst den Pferden anzusehen, dass ihnen die Lautstärke nicht behagte. Nina lief auch nur mit angelegten Ohren herum. Schlaf fanden wir kaum.
Am nächsten Vormittag fuhr Jon mit dem Rad vor, um einen angenehmeren Parkplatz zu suchen. Dann brachen wir auf – bloß weg vom Autobahnkrach. Wir fuhren parallel zur B36 auf einem Wirtschaftsweg. Die Bundesstraße verlief viel tiefer als unser Weg und war kaum zu hören. Endlich Ruhe! Am Weg grenzte eine Brachwiese, auf der wir parken wollten. Ein Traktorfahrer hielt neben uns. Im Gespräch fanden wir heraus, dass diese Wiese nur abgemulcht wird. Prima, dachten wir, dann gibt es wohl kaum Ärger, wenn das Gras etwas kürzer gefressen wird. Wir entließen die Pferde in ihren Feierabend, jedes bekam wie immer einen extra Paddock für extra Erholung. Die Dämmerung brach herein. Ein PKW-Fahrer hielt unweit der Koppeln, stieg aus seinem Fahrzeug und brüllte aus ca. 60m Entfernung zum Wagen herüber. Er fragte, ob wir eine Genehmigung hätten. Ich erwiderte,: „nein, wir gönnen den Pferden eine kurze Pause“. Darauf antwortete er, dass dies eine Stillegung wäre und erkundigte sich weiterhin wie lange wir bleiben würden. Ich begegnete ihm, dass wir für zwei Nächte bleiben würden. Ohne sich im Nachhienein noch vorzustellen verließ er das Gelände. Wir wußten nun, dass eine Stillegung war, auf der wir standen. Umso besser, denn die EU hat für 2008 alle Stillegungen zur Nutzung freigegeben – allerdings gibt es dann für genutzte Stillegungen auch keine Prämien mehr. Das Gras würde sogar noch bis zum Wochenende reichen. Wir entschlossen uns dazu länger zu bleiben. Weite Strecken konnten wir sowieso nicht mehr zurücklegen, da uns das Risiko zu groß war, dass sich die Barfußmädels zuviel Horn ablaufen. Lahmende Pferde bekommt man nicht verkauft. Zudem wollten die zukünftigen Besitzer die Pferde schon am Montag abholen.
Am nächsten Tag besuchte uns ein Redakteur vom SWR. Nachdem ich dem Sender eine e-Mail geschickt hatte, entschloss sich das Team dazu eine kurze Reportage über uns zu drehen. Bevor er mit Kamerateam auftaucht wollte sich der Redakteur vorab erst einmal selbst ein Bild von uns machen. Keine 15 Minuten dauerte das Gespräch und er düßte wieder davon.
Der einzige Nachteil des stillen Platzes war, das das Wasser ca. 800m weit geholt werden mußte. Django stellte sich dabei an wie ein Idiot. Er hatte null Bock darauf seine über alles geliebte Herde alleine zu lassen. Für Jon hieß dass viel Stress beim Wasserholen. Die nächsten Male spannte er dann Winston an und band Django hinten dran. So war es prima. Django kann nicht einmal mit dem Mädels zusammen auf Koppel bleiben. Sobald ein Pferd fehlt tickt er aus. Also wurde er mitgenommen – ganz ohne Job. Die Mädels wieherten nur, standen aber brav im Paddock.
Am
Freitag machte uns der
Lärm eines Traktors unruhig. Dieser fing an
„unsere“
Stillegung zu mulchen. Besorgt ging ich auf ihn zu – doch der
Fahrer ließ mich erst einige Meter mitlaufen, bevor er
anhielt.
Ich fragte freundlich, ob die Pferde noch den Rest der Wiese fressen
dürften. Der Fahrer erwiderte erbost, wie lange wir
bräuchten,
um Aufzubrechen. Zwei Stunden antwortete ich und sofort fing er an
weiter zu mulchen. Uns wurde regelrecht die Futtergrundlage
weggenommen. Kurze Zeit später rollte ein Polizeiwagen vor.
Die
Situation wurde geklärt und es stellte sich heraus, dass der
Traktorfahrer der Pächter der Wiese war und er diese Wiese
weiterhin als Stillegung bei der EU führte. Die Polizei
kontrollierte noch unsere Pässe und verwies uns freundlich
darauf, dass wir dieses Gelände verlassen mussten. Das hatten
wir sowieso vor. Der Traktorfahrer war auch der gleiche Typ, der an
unserem Ankunftstag bei Dämmerung aus 60m Entfernung
zubrüllte.
Schade, dass er es versäumte sich vorzustellen, dann
wäre
erst gar kein Konflikt entstanden. So war er für uns nur
„irgendeiner“ der sich aufgeregt hatte –
und wegen
„irgendeinem“ der sich aufregt verlassen wir nicht
auf Anhieb
solch ein ideales ungenutztes Grünland. Außerdem
frag ich
mich noch, warum er sich dennoch so aufgeregt hat. Das Gelände
ist das gleiche wie vorher, nur das dass Gras, welches sowieso nur
gemulcht wird, etwas kürzer geworden ist. Die Pferdehaufen
wurden von uns auch verteilt. Nach zwei Wochen ist auf der
Fläche
eh keine Spur mehr von uns zu sehen. Außerdem war das nur ein
Aufenthalt von maximal vier Nächten – wir
hüten doch nur
statt Schafen, wie es der Wanderschäfer tut, unsere vier
Pferde.
Aber wahrscheinlich hat selbst der Wanderschäfer in der
heutigen
Zeit immer mehr Schwierigkeiten seinen Beruf noch auszuüben.
Vielleicht mag der Wanderschäfer sogar im Recht sein, doch wer
blickt da noch wirklich durch und selbst dann, wird er sich wohl
immer wieder aufs Neue rechtfertigen müssen. Da macht der
Beruf
einfach keinen Spaß mehr.
Ein Gartennachbar hatte
das ganze Spektakel beobachtet und empfahl uns die Wiese
gegenüber
seines Gartens. Er kannte den Eigentümer und erzählte
uns
dass dieser schon seit mehrern Jahren die Wiese nicht mehr
abmäht.
Er kommt ab und an, um die heruntergefallenen Früchte der
Apfelbäume zu sammeln. Wir namen sein Angebot an, denn es war
schon spät und die Wiese lag keinen Kilometer entfernt. Das
Gras
stand brusthoch. Den Wagen konnte man vom Feldweg her nicht einsehen
– das hat so seine Vorteile.
Jon fuhr zum Spielen nach Stuttgart, doch leider war dort sehr schwülwarme Gewitterstimmung, sodass der Tag nicht ganz so erfolgreich für ihn war. Sonntag war unser Kulturtag. Wir fuhren mit den Rädern zum Straßentheaterfestival nach Rastatt. Dort trafen wir alte Freunde von Jon, die von Rastatt engagiert wurden. Das Duo nennt sich „Bestimmt Verstimmt“. Die Zwei sind ein Ehepaar. Er, Dennis, spielt Klavier und seine Frau Monika steppt zur Musik auf dem Klavier. Während der Übergänge lockern sie die Stimmung mit ein paar Witzen und Showeinlagen. Anschließend schauten wir uns noch zusammen zwei aus Riesa stammende Theaterkünstler an, die einen fabelhaften Auftritt boten. Erst sehr spät kehrten wir zum Wagen zurück – alte Freunde haben sich viel zu erzählen ... .
Am Montag warteten wir gespannt auf den Anruf der neuen Besitzer, wann sie bei uns eintreffen würden. Doch Pustekuchen! Niemand meldete sich und ich versuchte Vater und Tochter stündlich zu erreichen – erfolglos! Das Interesse schien wohl nicht allzu groß zu sein. Wir haben die Mädels inzwischen so lieb gewonnen, dass es gar nicht mehr zwingend erforderlich für uns ist sie zu verkaufen. Wir sind so stolz auf die beiden, weil sie inzwischen so viel gelernt haben und sie uns immer wieder davon überzeugen wie toll sie sind. Die Mädels sind Goldpferde geworden – eine Lebensversicherung auf der Straße!
Am Dienstag rückte das Fernsehen an. Wir machten wie üblich unser Ding und die Kamera verfolgte uns dabei. Wir zogen erneut um, denn wir wollten keine Stunde länger auf der mit Millionen Zecken verseuchten Wiese bleiben. Jon kassierte drei Stiche, ich zwei.
Wir konnten nicht weit fahren, da die Mädels ja immer noch barfuss liefen. Unterwegs wurden an Winstons Eisen neue Stollen angeschweißt. Eine Autowerkstatt lieferte uns dazu den notwendigen Strom. Bevor es weiter ging tankten wir noch Trinkwasser. Unser neuer Parkplatz lag offen einsehbar auf einer nach Stillegung aussehenden Wiese direkt am Wirtschaftsweg. Wasser nahmen wir für die Pferde vom alten Standort mit. Ein Bauer namens Hans hielt in seinem Cheep neben uns. Sogleich wurde er interviewt und er ließ uns Wissen, dass er als Nutzer der Wiese nichts dagegen hatte, das wir dort parkten. Erleichterung stieg in uns auf. Am selben Abend besuchten uns noch Dennis und Monika von „Bestimmt-Verstimmt“ mit ihren zwei Kindern Charlie und Moritz. Die Familie ist mit einem Bauwagen unterwegs, der von einem alten Magerus Deutz gezogen wird. Der Abend wurde wieder lang. In ihrem Bauwagen aßen wir die von Monika zubereiteten, leckeren Maultaschen. Danach wurde noch viel, sehr sehr viel erzählt. Wir verabredeten uns noch auf ein gemeinsames Frühstück am nächsten morgen. Vor dem Frühstück hatten wir ein „Wasserdate“ mit Hans. Wir spannten Winston vor die kleine Kutsche und fesselten Django die Füße vor unserer Abfahrt. Moritz dufte mitfahren. Holterdipolta ging es den Feldweg entlang. Der Hof lag zirka einen Kilometer entfernt. Dort hatte Hans einen riesigen Kanister voll mit Wasser. Wir parkten Winston rückwärts unter den Kanister. Hans übernahm das Ein- und Ausschalten des Wasserhahns, Jon befüllte die Kanister und ich hielt Winston solange am Kopf. Unter Hochdruck lief das Wasser in die Kanister. Nach einer knappen Stunde kehrten wir voll beladen und mit einem riesen Sack Hafer zum Wagen zurück. Monika stand immer noch bei Django, denn irgendwie schaffte der Kanditat es schon wieder sich von den Fussfesseln zu befreien. Monika beruhigte ihn die ganze Zeit während unserer Abwesenheit, indem sie ihm Lieder vorsang. Das half, doch die arme Monika konnte nicht weg, sonst wäre er in seiner Koppel wieder auf- und ab galoppiert. Zum Frühstück gab es in Ei getunkte Holunderblüten mit Butterbrot – mmh, sehr lecker. Wir genossen das Essen bis ein Polizeiwagen neben uns hielt. Einer der Polizisten war der gleiche wie zwei Tage zuvor in Ötigheim. Die Beamten meinten, dass die Gemeinde es nicht wünscht, dass wir dort parkten. Wir vertstanden nur noch Bahnhof, denn laut unserer Auskunft ist dieses Land kein Gemeindeland. Was ist bloß jetzt wieder los? Sind wir Schwerverbrecher, denen man die Polizei hinterher scheuchen muss, weil vier Pferde das Gras herunter fressen, was vorher mit dem Nutzer des Landes abgesprochen wurde? Den Polizisten war es sichtlich auch unklar, die drückten mir eine Telefonnummer von der Gemeinde in die Hand. Nach der amtlichen Mittagspause rief ich dort an. Ich erklärte meinem Telefongegenüber die Situation, dass alles abgesprochen sei und dass der Bauwagen von Dennis und Monika in einer halben Stunde verschwinden würde. Natürlich erwähnte ich zusätzlich das der SWR heute noch einmal vorbei kommt, um die Reportage fortzusetzen. Er murmelte was von das ginge schon in Ordnung und er kommt vielleicht die Tage nocheinmal vorbei, um sich selbst ein Bild von uns zu machen. Frech rief ich dann doch zurück und verbreitete ihm den Vorschlag doch zwischen 14:00 und 16:00 Uhr vorbeizuschauen, wenn das Fernsehteam da ist. Die Gelegenheit könnte er doch als Gemeinde nutzen, um das Problem, wenn es denn eines gibt, noch einmal anzusprechen, oder uns im Namen der Gemeinde willkommen zu heißen. Er erwiderte jedoch etwas davon, dass sein Tag schon voll wäre. An dieser Stelle überlasse ich jedem Leser seine eigene Interpretation des Vorfalls.
Dennis und Monika hatten sich in der Zwischenzeit von uns verabschiedet. Für sie ging die Reise weiter nach Konstanz. Eine Stunde später kam ein anderer Cheep angebraust. Der Fahrer kurbelte eilig das Fenster herunter. Wir erkundigten uns nach seinem Namen, bekamen aber keine Antwort. Stattdessen regte er sich nur lautstark auf und behauptete ihm würde die Wiese mit gehören und das wir verschwinden sollten. Ohne uns ausreden zu lassen, schimpfte er uns weiter an und drohte damit die Polizei zurufen. Das die schon einmal hier waren schien ihn nicht weiter zu beeindrucken. In Eile brauste er erbost wieder davon. Für ihn waren wir anscheindend richtige „Schwerverbrecher“. Ich telefonierte mit Hans und erzählte ihm alles was vorgefallen war. Der Cheepfahrer war also ein Jäger. Wir hätten es uns denken können. Wenn jemand etwas gegen unseren in der Regel kurzfristigen Aufenthalt hat, dann sind es meistens die Jäger. Wir wollten dennoch nicht klein beigeben und blieben noch die ganze Nacht. Außerdem waren eh Dreharbeiten angesagt. Jon fuhr mit dem Kamerateam nach Karlsruhe, um dort zu musizieren. Am nächsten Tag rief uns Hans noch einmal an und meinte der Jäger hätte sich schon beim Landratsamt beschwert. Es stellte sich weiter heraus das selbst der Jäger kein ungeschriebenes Blatt war. Ganz in Absicht verriet er uns also nicht seinen Namen. Wovor mag er wohl Schiss gehabt haben?
Um nicht noch länger rumhängen zu müssen entschlossen wir uns die Mädels zu beschlagen. Wenigsten wollen wir an unseren Plänen festhalten können, in die ostdeutschen Bundesländer zu fahren. Das Beschlagen lief zu unserem Erstaunen viel besser als erwartet. Von Django hatten wir vier nagelneue Eisen über. Die passten auf die Vorderhufe der Mädels. Jon machte die Eisen heiß und passte sie an die Hufe an. Während des Aufbrennens stopfte ich den Mädels in kleine Stücken geschnitte Möhren ins Maul. Das funktionierte prima. So schafften wir auch fast mühelos alle Nägel in den Huf zu schlagen. Am selben Abend meldete sich der Interessent aus seinem Urlaub zurück. Ich traute meinen Ohren kaum. Er möchte sie immer noch kaufen. Den kommenden Donnerstag wollten sie sie abholen. Wir ließen uns nicht beirren und beschlugen die hinteren Hufe der Pferde am Sonntag. Die Eisen stammten von Petras Merenz-Hotte, der ähnliche Schuhgröße hat. Geschwind brachte sie mir die Eisen am Samstag vorbei. Jon spielte während der Zeit in Karlsruhe. Und tatsächlich, die Eisen passten super. Das Beschlagen der Hinterhufe beider Mädels verlief wieder erste Sahne. Allerdings ist das kaum zu glauben, denn dies war ihr allererster Beschlag überhaupt!!! Goldpferde halt!!!
Während unseres – Dank Hans - entspannten Aufenthalts machten wir Bekanntschaft mit Tina. Sie kommt öfter mit dem Auto und ihrer Hundefamilie raus aufs Land für ausgedehnte Spaziergänge. Sie ist überzeugter Papillon-Fan. Trotz ihrer Größe sind die Hunde sehr gelehrig und flitzeschnell und außerdem super süß, da kann man sich schnell verlieben. Bei Tina konnten wir auch gleich unsere Wäsche waschen. Wie gut denn das war unbedingt nötig. Sie gab uns außerdem noch ein paar Klamotten mit auf die Reise.
Der
Himmel sah immer danach
aus, als könnte es jeden Moment an Gewittern. Hier am Rhein
sind
die Gewitter sehr häufig. Was tun? Lieber abwarten als
anspannen
oder alles nur Schein? Wenn wir versuchen würden jede dunkle
Wolke auszusitzen, käme man ja nie vorran. Also ging es wieder
weiter. Die Mädels zogen wie Profis auf der zweispurigen
Bundesstraße. Abgebogen auf eine Landstraße zum
Rhein war
der Verkehr jedoch nicht weniger stark. Am meisten störte mich
der Krach. Zwar hielt das Wetter, der Verkehr jedoch
verdrängte
die Reisefreude. Bei Niederburgweier fand Jon mit dem Fahrrad einen
geeigneten Parkplatz zwischen zwei Flüssen mit ausreichend
Ufergehölzen. Den Wagen parkten wir auf der schmalen
Brücke.
Nachdem alle Koppeln fertig waren fing es an zu regnen – aber
zum
Glück ohne Blitz und Donner. Am nächsten Abend
wollten die
neuen Besitzer ihre Pferde abholen, wir entschlossen uns dafür
einen Pausentag einzulegen. Ich hatte eh einen Arzttermin in Rastatt,
der einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Mit dem Rad fuhr ich
am morgen zur Bushaltestelle. Eine gute Stunde hatte dann die
anschließende Fahrt gedauert. Ich trage einen kleinen
Untermieter mit mir herum, der beim Frauenarzt gründlich
untersucht wurde. Alles prima und wieder ab nach Hause. Als wir die
Pferde umkoppelten parkte ein PKW-Fahrer sein Auto direkt neben
unserem Wagen und lief zu uns herüber. Er erzählte
uns,
dass er für die Stadt diese kleine Landzunge mulchte, und das
es
kein Problem wäre, wenn die Pferde das Gras herunterfressen.
Gleichzeitig bot er uns noch eine andere Wiese an, auf der
später
seine Rinder weiden würden. Dann fuhr ich noch mit ihm zu
seinem
Arbeitsplatz – eine riesige Kompostieranlage – um
Trinkwasser zu
holen.
Am Abend kam niemand der die
Pferde abholte. Irgend etwas ging schief. Auch nicht einmal das
Telefon klingelte – sehr merkwürdig.
Gegen Mittag brachen wir auf. Es war wieder sehr schwülwarm. Gewitterstimmung begleitete unseren Weg. Wir fuhren mitten durch Karlsruhe. Meine Mädels liefen vorweg. Karlsruhe war für die zwei ein super Training für wechselnde Untergründe wie Bahnschienen, rote auf die Straße gemalte Fußgängerüberquerungen, Entwässerungsrinnen vor und nach Brücken und vieles mehr. Doch auch der endlose Verkehr über-, unter- und neben uns, LKW's, Busse, Straßenbahnen, Züge, Motoräder, Fahradfahrer und Fußgänger stellte die Mädchen auf Probe. Doch nichts konnte sie erschüttern. Mit den Ohren nach vorn konzentrierten sie sich auf ihre Arbeit. Außerdem waren die Jungs ständig hinter uns. Also warum Angst haben, die Jungs sind auch noch da. Die Mädels schauen sich auch viel von den Jungs ab. Kurz vor Knielingen hielt Jon mit dem Rad nach einem Parkplatz Ausschau. Es begann kräftig zu regnen. Unter einer Autobahnbrücke fand er brach liegendes Land, dass bis zum Fluss reichte. Hier bauten wir die Koppeln auf. Unter der Brücke standen unzählig viele Anhänger vorwiegend aus der Landwirtschaft. Auf dem Weg zum Reitplatz kamen viele Kinder mit ihren Pferden an uns vorbei. Nachdem wir mit dem Aufbau fertig waren hielten zwei Pferdespaziergänger neben unserem Wagen. Wir unterhielten uns angeregt. Später kamen die Eltern der schwangeren Frau vorbei und brachten gleich ein Bund Heu mit. Das konnten wir gut gebrauchen, da auf der Fläche viel Unkraut stand. Jon spielte am nächsten Tag in Karlsruhe während ich einer Einladung zum Kaffee folgte bei der netten Familie mit der schwangeren Tochter. Sie haben eigene Traber- und Minischetlandponies, die auf die ihrer privaten Stallanlagen zu Hause sind. Die Freundin der Familie wusch eine Ladung Wäsche für uns.
Nach dem Aufbruch trafen wir einen Radfahrer, der uns Auskunft über unsere Route Richtung Neureut geben konnte. Auf kleinen Wegen ging es durch das schöne Rheintal. Neureut war katastrophal, denn nirgens verriet ein Schild irgendeine Richtung. Trotz Kompass fuhren wir einen Umweg von drei Kilometern. Nach einer Stunde Fahrzeit zog ein Gewitter auf, das uns mindestens zwei Stunden verfolgte. Für den heutigen Tag hatte ich im Voraus schon einen Parkplatz organisiert. Es ging zum Storchenhof nach Rußheim. Der Forstwirtschaftsmeister aus Niederburgweier hatte uns auf den Hof aufmerksam gemacht. Später fand ich im Internet heraus, dass der Hof Comtois-Pferde – wie unsere Mädels - für die Arbeit einsetzt. Das machte uns wahnsinnig neugierig. Spontan bewilligten uns die Betreiber einen kurzfristigen Aufenthalt. Erst spät erreichten wir unser Ziel. Vor uns lag mitten in einer Ackerlandschaft ein großes Anwesen. Wir bogen auf einen geschotterten Feldweg. Neben uns lief eine kleine Ponyherde aufgeregt mit. Am Farmeingang wurden wir schon von Fritz erwartet. Er und seine Frau Ilona hießen uns herzlich willkommen. Fritz ist ein Mann mittleren Alters von uriger Gestalt. Seine grauen Haare hatte er zu zwei kurzen Zöpfen geflochten. Der ebenfalls graue Bart war deutlich zu erkennen. In lässigen Arbeitsklamotten zeigte er uns einen Platz, auf dem wir die Wägen abstellten. Anschließend ging es für die Pferde in einen Sandpaddock. Der Auslauf für die Mädels war groß genug für beide zusammen. Winston und Django standen getrennt gegenüber. Nicht nur Pferde sind hier zu Hause, auch Esel, Schafe, ein Ochse, Enten und Hühner sowie Hunde und Katzen. Ein Blick auf ihre Webseite lohnt sich unter: www.storchenhof-naturschutz.de . Petra kam uns an diesem Abend auch noch besuchen. Ich erzählte ihr von unserem interessanten Parkplatz und sofort brauste sie mit ihrem Polo los. Nachdem unsere Hottes versorgt waren bekamen wir noch eine extra Vorstellung der hofeigenen Comtois-Pferde. Schade, dass die beiden Hengste vor zwei Wochen gelegt wurden. Die beiden sind eine Augenweide, bei denen selbst Tinkerfans ordentlich ins Schwärmen kämen. Für unsere „dauerrossige“ Ozean wär das die Gelegenheit gewesen. Schaaade!

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Die Kirschen in Nachbar's Garten
Die
Kirschen in Nachbars
Garten, von "Spanish Eyes" www.schreibart.de |